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Die besten nachhaltigen ETFs

Die besten nachhaltigen ETFs

Nachhaltigkeit - Investieren in nachhaltige ETFs

Der Klimawandel und die globale Erwärmung beschäftigen immer mehr Menschen. Es gibt immer mehr Personen, die sich für eine nachhaltigere Welt einsetzen. Wir alle haben Bilder von den Fridays for Future Protesten vor Augen.

Nachdem das Thema Nachhaltigkeit so omnipräsent ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich an den Kapitalmärkten was tut. Das sogenannte nachhaltige Investieren anhand von „ESG“, oder „SRI“ Kriterien rückt immer stärker in den Fokus der Anleger.

Was ist nachhaltiges Investieren?

Bevor wir uns tiefer in das Thema stürzen, möchte ich kurz darauf eingehen was man unter nachhaltigem Investieren versteht.

Definition

Beim nachhaltigen Investieren werden die klassischen Kriterien für Geldanlagen, wie Rentabilität, Liquidität und Sicherheit, um Kennzahlen erweitert, die ökologische, soziale und ethische Aspekte abbilden.

Die Abkürzung „ESG“ steht für „Environment, Social, Governance“. Also Umwelt, sozial/gesellschaftliche Aspekte und Unternehmensführung. Aus diesen drei Kriterien lässt sich die „Nachhaltigkeit“ eines Unternehmens bewerten.

Eine weitere Abkürzung, die sich im Zusammenhang mit dem passiven Investieren häufig findet, ist: SRI (Social Responsible Investment). Auch hier geht es, wie beim ESG, um die nachhaltige Bewertung von Unternehmen.

Möglichkeiten um Geld nachhaltig anzulegen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten um sein Geld nachhaltig anzulegen.

Beispiele hierfür sind Aktien von Unternehmen die besonders nachhaltig wirtschaften. Es gibt sogar ganze ESG Indizes, in die man mit nachhaltigen ETFs investieren kann. Einen solchen Index bzw. ETF, schauen wir uns gleich genauer an.

Wenn du dich für das passive Investieren interessierst, kannst du dir übrigens hier meinen kostenlosen Leitfaden für passives Investieren anschauen.

Natürlich kann man sich auch mittels Crowdfunding an der Finanzierung von nachhaltigen Projekten beteiligen, oder sein Konto bei „grünen Banken“ haben, die ausschließlich Kredite an Firmen vergeben, die damit Projekte finanzieren, die einen Nutzen entsprechend der ESG-Kriterien haben.

Vergleich zwischen zwei ETFs

Da der Fokus meiner eigenen Geldanlage vor allem auf dem passiven Investieren mit breit diversifizierenden ETFs liegt, möchte ich dieses Thema in den Fokus des Artikels stellen.

Ein klassischer und beliebter Index bei passiven Anlegern ist der MSCI World Index. Dort sind circa 1.600 Unternehmen enthalten. Wer über einen ETF in diesen Index investiert, deckt einen Großteil der Weltwirtschaft ab und profitiert so von ihrer Entwicklung.

Die Konkurrenten

Es gibt mit dem MSCI World SRI ein nachhaltiges Pendant zum Standard-Index. Nachdem wir aber nicht direkt in Indizes investieren können, brauchen wir einen ETF. Hier möchte ich zwei iShares ETFs vergleichen. Einer bildet den klassischen MSCI World Index ab, während der andere den MSCI World SRI Index abbildet.

Hier findest du die jeweiligen Factsheets verlinkt, damit du die weiteren Ausführungen selbst nachvollziehen kann. (Anmerkung: Stand der Informationen: Oktober 2021)

Anlageziel

Das Anlageziel des klassischen ETFs lautet wie folgt: „Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus Unternehmen aus Industrieländern besteht.“

Zum Anlageziel des nachhaltigen ETFs gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: „Der Fonds ist bestrebt, die Performance eines Index nachzubilden, der sich aus ESG (umweltverträglich, sozial und staatlich)-überprüften Unternehmen aus Industrieländern zusammensetzt.

Beide Indizes investieren in Unternehmen der Industrienationen. Der Standard ETF differenziert hier nicht weiter, während der nachhaltige ETF alle Unternehmen ausschließt, die nicht den ausgewählten ESG bzw. SRI Kriterien entsprechen.

Gegenüberstellung

Eckdaten

Schauen wir uns hier die wichtigsten Daten aus den Factsheets in der Gegenüberstellung an.

                        ETF (klassisch)          ETF
(nachhaltig)          
AnlageklasseAktienAktien
Auflegungsdatum25.09.200912.10.2017
VergleichsindexMSCI World IndexMSCI WORLD SRI Select Reduced Fossil Fuel Index
ISINIE00B4L5Y983IE00BYX2JD69
TER0,20%0,20%
GewinnverwendungThesaurierendThesaurierend
Replikationoptimiertes Samplingoptimiertes Sampling
Nettovermögen des Fondsca. 44 Mrd. USDca. 5 Mrd. USD
Anzahl der Positionen1560379

Beide Fonds investieren in Aktien und existieren schon eine gewisse Zeit lang. Die Replikation erfolgt bei beiden Konkurrenten durch optimiertes Sampling und die TER liegt bei 0,20%. Soweit alles gleich.

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Nettovermögen der Fonds und der Anzahl der Positionen. Während der klassische ETF über ein Fondsvolumen von 44 Mrd. USD verfügt, liegt der nachhaltige „nur“ bei 5 Mrd. USD. Wie bereits erwähnt, sind im klassischen ETF circa viermal mehr Unternehmen enthalten als im nachhaltigen Ableger.

Unerwünschte Geschäftsfelder

Viele ETF Anbieter, wie auch iShares geben auf ihren Websites Auskunft über den Anteil des investieren Kapitals, dass spezifischen Geschäftsbereichen zuzuordnen ist.

                       ETF (klassisch) %          ETF (nachhaltig) %          
Umstrittene Waffen0,550,00
Atomwaffen0,540,00
Zivile Feuerwaffen0,200,00
Tabak0,630,00
Verstöße gegen die „Global Compact“ Prinzipien der UN0,790,00
Kraftwerkskohle0,120,00
Ölsande0,200,00

Wenig überraschend liegt der Anteil des klassischen Fonds in allen „unerwünschten“ Bereichen höher, als beim nachhaltigen ETF, der in keiner der Bereiche Geld verdient.

Top-Positionen

Im klassischen ETF sind die Top 10 Positionen folgende:

             Unternehmen                       Anteil in Prozent          
Apple4,18
Microsoft3,56
Amazon2,60
Facebook1,50
Alphabet A1,44
Alphabet B1,40
Tesla0,99
NVIDIA0,92
JP Morgan Chase0,80
Johnson & Johnson0,75
 18,14%

Die Top 10 Positionen machen in diesem ETF 18,14% des gesamten Volumens aus. Die größten 10 Positionen machen also fast 20% des Werts der gesamten 1.600 Unternehmen aus.

Welche Unternehmen sind im nachhaltigen ETF enthalten?

             Unternehmen                       Anteil in Prozent          
Microsoft4,46
Tesla4,36
NVIDIA4,03
ASML2,52
Home Depot2,50
Walt Disney2,38
Roche2,04
Cisco1,80
Coca Cola1,67
Pepsico1,56
 27,32

Im nachhaltigen ETF machen die Top 10 Positionen bereits 27,32, also fast ein Drittel, des Volumens aus. Neben der geringeren Anzahl der Unternehmen, spricht das für eine schlechtere Diversifikation, da der Anteil der „Top 10“ Unternehmen hier besonders groß ist.

Länderverteilung

Prinzipiell bin ich skeptisch wenn es um die Aussagekraft der Länververteilung geht. Gezählt wird hier der Sitz des Unternehmens. Natürlich sitzen die meisten Konzerne in Amerika. Ihre Umsätze machen sie aber meist auf der ganzen Welt. Dennoch habe ich die Verteilung der Länder in den entsprechenden ETFs hier für dich aufgelistet

Länderverteilung im klassischen ETF:

             Land                       Anteil in Prozent          
Vereinigte Staaten67,88
Japen6,57
Vereinigtes Königreich4,08
Frankreich3,28
Kanada3,19
Schweiz2,87
Deutschland2,67
Australien2.00
Niederlande1,43
Schweden1,09
Sonstige4,94

Länderverteilung in nachhaltigen ETF

             Land                       Anteil in Prozent          
Vereinigte Staaten59,54
Japan7,33
Kanada4,97
Deutschland3,97
Schweiz3,74
Niederlande3,65
Frankreich3,55
Vereinigtes Königreich3,15
Dänemark2,42
Australien2,16
Sonstige5,52

In beiden ETFs wird ersichtlich, dass die USA den absoluten Großteil ausmachen, auch wenn dieser Anteil im nachhaltigen ETF etwas geringer ist. Aber wie gesagt: Ich bin der Meinung, dass die Länderverteilung nicht besonders viel Aussagekraft hat. Hier gibt es bessere Klassifizierungen.

Branchenaufteilung

Kommen wir zu der Aufteilung der Branchen, in denen die in den ETFs enthaltenen Unternehmen ihr Geld verdienen. Natürlich gibt es auch hier Überschneidungen. Dennoch bin ich der Ansicht, dass sich diese Verteilung aus Diversifikationsgesichtspunkten besser eignet als die Länderverteilung der Unternehmenssitze.

Branchenverteilung im klassischen ETF

             Branche                       Anteil in Prozent          
IT22,80
Financials13,28
Gesundheitsversorgung12,72
Zyklische Konsumgüter11,93
Industrie11,93
Kommunikation9,27
Nichtzyklische Konsumgüter6,83
Materialien4,28
Energie2,77
Versorger2,75
Immobilien2,72
Cash/Derivate0,27

Branchenaufteilung im nachhaltigen ETF

             Branche                       Anteil in Prozent          
IT18,49
Financials15,72
Gesundheitsversorgung15,36
Zyklische Konsumgüter14,27
Industrie12,32
Nichtzyklische Konsumgüter8,38
Materialien4,94
Kommunikation4,72
Immobilien3,46
Versorger1,26
Energie0,86
Cash/Derivate0,21

Auch hier zeigen sich keine besonders großen Unterschiede. Die beiden Konkurrenten nehmen sich hier nicht viel.

Rendite

Kommen wir zu einem der wichtigsten Gesichtspunkte, wenn es um das Thema Geldanlage geht – die Rendite.

Annualisierte Performance (%)

                                    1 Jahr                       3 Jahre                       5 Jahre                       10 Jahre                       Seit Auflage          
ETF (klassisch)29,8515,0314,9112,1911,13
ETF (nachhaltig)30,5517,08k.A.k.A.16,29

Den klassischen ETF gibt es schon seit 2009, hier lässt sich die Performance wesentlich besser zurückverfolgen, als bei dem nachhaltigen Ableger, der 2017 aufgelegt wurde. Bei einem Blick auf die Zahlen die vorhanden sind, zeigt sich eine leichte Überlegenheit des nachhaltigen ETFs. Hier muss aber unbedingt beachtet werden, dass drei Jahre bei einem langen Anlagehorizont kaum Bedeutung haben. Wie sich dieser ETF langfristig (10 Jahre und mehr) entwickelt steht in den Sternen. Nur weil etwas in den letzten Jahren funktioniert hat, bedeutet es nicht, dass die Performance auch langfristig mithalten kann.

Wie nachhaltig ist nachhaltiges Investieren?

Zum Abschluss des Artikels möchte ich auf die Frage eingehen wie nachhaltig, das „nachhaltige Investieren“ wirklich ist.

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Nachdenken erlaubt

Keine einheitlichen Standards

Es gibt natürlich zahlreiche ESG Kriterien. Leider fehlen aber oft einheitliche Standards. So können Anleger häufig nicht, oder nur schwer nachvollziehen, welche Filter angewandt werden.

Einige Anleger wären vermutlich auch bereit auf eine höhere Rendite zu verzichten, wenn sie dafür mit ihren Investments etwas bewirken könnten. Hier sind viele nachhaltige ETFs allerdings eine „Mogelpackung“.

Wann ist etwas nachhaltig

Ein weiteres Problem ist, dass jeder Mensch das Thema Nachhaltigkeit anders definiert. Für manche sind Gentechnik, oder Atomkraft ein absolutes No-Go, während andere diese beiden „Technologien“ wiederum als essenziell betrachten, wenn es um die nachhaltige Gestaltung unseres Planeten geht.

Schauen wir uns nochmal die Unternehmen im nachhaltigen ETF an. Microsoft steht an der Spitze. Wenig CO2 Ausstoß, faire Behandlung der Mitarbeiter. Damit wirtschaftet das Unternehmen offensichtlich nachhaltig, oder? Eine irische Tochtergesellschaft von Microsoft hat 2020 Gewinne in einer Höhe von 220 Mrd. GBP gemeldet, dafür aber keine Körperschaftssteuer gezahlt, weil das Unternehmen steuerlich auf den Bermudas ansässig ist. Wie nachhaltig die Vermeidung von Steuern ist, muss jeder für sich beurteilen.

Nächster in der Liste: Tesla. Pionier, wenn es um das Thema E-Mobilität geht. Ganz so grün, wie viele Anleger das glauben, sind die Autos von Tesla dann wohl doch nicht, wie in einem Artikel von Wired dargelegt wird.

Eines noch. Home Depot ist eine amerikanische Baumarktkette. Home Depot musste 2020 20.750.000 Dollar Strafe für die landesweite Nichteinhaltung der Vorschriften für die Durchführung von Renovierungsarbeiten mit Bleifarbe zahlen. 2018 musste das Unternehmen 27,84 Millionen Strafe bezahlen, weil es verabsäumt hat, die Entsorgung von Spraydosen, Batterien, Elektronik, Farben und anderen Gegenständen sowie von Kundendaten ordnungsgemäß zu verwalten.

Du siehst, worauf ich hinauswill. Wer sich moralisch überlegen fühlt, weil er in einen nachhaltigen ETF investiert, sollte von diesem hohen Ross wieder herunterkommen und sich davor hüten zu behaupten, dass Menschen, die in „klassische“ ETFs investieren, ein Problem sind.

Greenwashing

Die meisten ETFs bzw. Indizes haben keine harten Ausschlusskriterien. So finden sich beispielsweise Kohlekonzerne, Fluglinien und Anbieter von Kreuzfahrten in den Fonds.

Das liegt daran, dass in den meisten Fonds, das „Best-in-Class“ Prinzip für Branchen angewandt wird, die nicht den ESG-Kriterien entsprechen. Hier werden, dann die „am wenigsten schlimmen“ 25%, oft aber auch deutlich über 50% einer Branche ausgewählt.

Wenn man aus nicht nachhaltigen Branchen mehr als 50% der Unternehmen in einen Fonds inkludiert, ist es dann wirklich richtig den Stempel ESG auf einen ETF zu drücken? Ich denke nicht!

Deine Investition hat nur einen überschaubaren Einfluss

Wenn du, oder der ETF in den du investierst Aktien eines Unternehmens kauft, geht das Geld in der Regel nicht an das Unternehmen, sondern an den Vorbesitzer der Aktie. Wenn du eine Aktie für 100€ kaufst, bedeutet das nicht, dass das Unternehmen deine 100€ bekommt. Das ist ein Irrglaube.

Geld geht direkt in das Unternehmen, wenn du dessen Anleihen zeichnest (ihm einen Kredit gibst), oder seine Produkte kaufst. Es tut dem Unternehmen, dessen Geschäftspraktiken, oder Geschäftsfeld du als unethisch ansiehst, also weit mehr weh, wenn du seine Produkte nicht kaufst.

Der Verzicht auf Kurzstreckenflüge, Auto, Konsum, oder Fleisch, bewirkt also viel mehr, als die Beschränkung der Geldanlage auf nachhaltige ETFs. Es reicht also nicht monatlich 100€ in einen ESG-ETF zu investieren und seinen Freunden bei einer Flugreise zu erzählen, wie gut das eigene Verhalten für die Umwelt sei.

Fazit

Die Performance von nachhaltigen ETFs ähnelt der von klassischen Standard-ETFs. Unter Umständen, liegt sie sogar knapp darüber. Ob das eine kurzfristige Erscheinung ist, oder auch in Zukunft so sein wird, bleibt abzuwarten.

Das größte Problem bei nachhaltigen Investitionen sind fehlende Standards und Definitionen. So werden Anlegern oft Mogelpackungen unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit verkauft.

Darüber hinaus definiert wohl jeder Mensch Nachhaltigkeit anders, weshalb es umso schwieriger ist Unternehmen pauschal in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Nachhaltigkeit ist wohl auch kein schwarz-weiß Thema.

Was denkst du zum Thema nachhaltige Geldanlage?

Liebe Grüße, Philipp

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Philipp geschrieben. Er ist gerade mit seinem Medizinstudium fertig geworden, legt sein Geld seit einigen Jahren selbst an und bloggt auf PHInanzielle Freiheit rund um das Thema Geldanlage und Vermögensaufbau.

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