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2 Gründe warum die Buy and Hold Strategie gefährlich werden kann

2 Gründe warum die Buy and Hold Strategie gefährlich werden kann

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Die Buy and Hold Strategie und die Risiken

Auf vielen Webseiten, die sich mit Aktien beschäftigen, kannst du von der „Buy and Hold“ Strategie lesen. Der Kern der „Buy and Hold“ Strategie ist es, Aktien im Allgemeinen langfristig zu halten. Aber wie sicher ist das Vorgehen? Willst du die Risiken von Buy and Hold kennen?

In diesem Artikel wirst du eine neue Sichtweise auf das Buy & Hold bekommen. Ich zeige dir anhand von Beispielen, das die Strategie Kaufen & Halten nicht immer zielführend ist!

Beim Aktienkauf entscheidest du dich für ein langfristiges Investment, weil du von dem Unternehmen überzeugt bist und du eine langfristig stabile bzw. positive Entwicklung sieht. Die Buy and Hold Strategie dient nicht der Spekulation. Denn jeder kennt die Börsenweisheit „Das hin und her macht Taschen leer“. Daher ist an dieser Strategie erst mal nichts falsch. Du willst ja gar nicht spekulieren, wenn du dich für diese Strategie entscheidet.

Um alle Leser abzuholen, die noch nichts von der Buy & Hold Strategie gehört haben, will ich die Aktien-Strategie einmal kurz zusammenfassen.

Was bedeutet Buy & Hold bei Aktien?

Bei der Buy & Hold Strategie ist das Ziel die Geldanlage langfristig zu sehen und das Investment lange zu halten. Buy & Hold ist bei Aktien sehr beliebt. Die Idee dahinter gilt aber für jede Geldanlge – auch für Immobilien.

Durch das langfristige Halten sollen zusätzliche Transaktionen (Kauf/Verkauf) vermieden werden, dadurch soll der Ertrag weiter gesteigert werden.

Irrglaube Nr. 1: Buy and Hold ist eine passive Aktien-Strategie

Ich sehe bei der Buy and Hold Strategie aber einen sehr gefährlichen Aspekt. „Buy and Hold“ wird oft mit „Passiv Investieren“ zusammengebracht.
„Passiv Investieren“ ist wie „finanzielle Freiheit“ ein Buzzword. Was heißt „Passiv“? Das Wort „Passiv“ vermittelt den Eindruck, hier habe ich nicht viel zu tun – wie beim passiven Einkommen. Auf den ersten Blick passt das auch schön zu „Buy and Hold“. Ich kaufe und halte. Beim „halten“ habe ich nicht viel zu tun, ich soll es ja nicht schnell wieder verkaufen. Was sollst du also mit der Aktie zu tun haben?

Und genau hier liegt der Hund begraben. Gerade für Einsteiger und Anfänger ist das eine große Gefahr. Diese Annahme macht schnell aus einem „Buy and Hold“, ein „Buy and Forget“. Kaufen und vergessen. Und das kann richtig wehtun.

Aktien sind keine passiven Produkte!

Eine Aktie, egal, mit welcher Strategie du sie gekauft hast, wird NIEMALS zu einem passiven Anlageprodukt. Egal was man dir versprochen hat!

Auch wenn eine Firma die letzten 20 Jahre super gelaufen ist, es garantiert dir das keiner für die nächsten 20 Jahre. Nicht mal für die nächsten 2 Jahre!

Geschäftsfelder unterliegen einem Wandel, technologischer Fortschritt kann einen überholen (siehe Nokia), Skandale können ein Unternehmen in den Abgrund reißen und und und.

Nicht alle Aktienkurse erholen sich - Buy and Hold Strategie
Nicht alle Aktienkurse erholen sich – Buy and Hold Strategie

„Buy and Hold“, ist daher keine passive Aktien-Strategie. Du musst vielleicht nicht täglich in dein Depot schauen. Vielleicht auch nicht wöchentlich. Aber eine „Buy and Forget“ Strategie kann sehr gefährlich werden.

Du solltest dein Depot regelmäßig überwachen. Verfolge die Presse über das Unternehmen. Lies dir den Geschäftsbericht durch, wenn du das nicht möchtest, suche nach Pressemeldungen und Zeitungsartikeln über diesen Bericht. Verfolge die Marktentwicklung. Beobachte die Käufergruppen. Behalte Konkurrenten im Auge. Das sollten übrigens auch alle Freunde der Burggraben Strategie tun, denn ein Burggraben kann auch mal verloren gehen.

Irrglaube Nr. 2: Jeder Aktienkurs steigt auch wieder!

Wenn du beim Lesen nun gedacht hast, „Buy and Hold“ wird gemacht, weil jeder Kurs auch irgendwann wieder steigt, dann muss ich dich enttäuschen. Wir sind hier nicht beim Märchenonkel und auch nicht auf dem Ponyhof. Gerade jetzt gibt es in Facebook-Gruppen echt lustige Diskussionen über die Lufthansa oder die Reederei-Aktien.

Nicht jede Aktie wird nach dem Sinken wieder auf alte Höhen zurückfinden. Dass du, alleine durch die Zeit, jeden Kursverlust aufholen kann, ist absoluter Bullshit. Schau dazu auch mal in meinen Artikel „Warum ich Aktien scheiße finde“ – dort zeige ich dir viele Beispiele.

Leider gewinnt oft der Bär beim Buy & Hold

Wer durch Zeit Kursverluste reinholen will, der sollte sich eher ETFs auf große Indizes anschauen. Aus der historischen Betrachtung gilt das für ETFs auf große Indizes, nicht aber generell für einzelne Aktien.

Das ist ein Irrglaube. Natürlich bedeutet nicht jeder Kursverlust gleich Panik. Genau darum geht es ja bei „Buy and Hold“. Du sollst nicht bei jedem „runter“ sofort deine Aktien verkaufen und bei jedem „hoch“ sofort neue Aktien kaufen. Du sollst schon eine gewisse Ruhe und Sicherheit mitbringen. Das will ich gar nicht infrage stelle.

Die „Buy and Hold“ Strategie verursacht Arbeit!

Die Arbeit hast du vor, sowie nach dem Kauf. Und dabei ist es egal, ob du mit dem Buy and Hold Ansatz eine Immobilie oder eine Aktie gekauft hast.

Zum Ersten musst du eine Aktie finden, von deren Stabilität und Aussichten du überzeugt bist. Das Unternehmen musst du bewerten und dir sicher sein, dass du bereit bist, eine langfristige Anlage einzugehen. Auch eine Immobilie wird nicht blind gekauft!

Nach dem Kauf musst du das Unternehmen regelmäßig neu bewerten und die geschäftliche und strategische Entwicklung verfolgen. Du musst dies tun, um das Unternehmen im Auge zu behalten und um rechtzeitig reagieren zu können.

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Du sollst kein Spekulant werden. Aber überlegte und begründete Verkäufe verbietet dir die Strategie nicht! Im Gegenteil und das wissen die wenigsten!

„Buy and Hold“ ist eine langfristig angelegte Investmentstrategie. Nur weil da „Langfristig“ drin steht, darfst du dich aber nicht zurücklegen. Du musst Unternehmen verkaufen, wenn du gefährliche Entwicklungen erkennst.

Es gibt in der Börsengeschichte unzählige Fälle von Aktiencrashs, die sich nie wieder davon erholt haben. Da hilft dann auch das „Hold“ nicht mehr weiter. Spätestens, wenn die Aktie vom Markt genommen wird.

Mein Fazit zu Buy and Hold

Die „Buy and Hold“ Strategie ist eine gute und sehr empfehlenswerte Strategie. Das möchte ich gar nicht infrage stellen. Auch ich nutze die Strategie für meinen Aktienkauf. Für das Handelsblatt hat die Strategie bereits ausgedient (Quelle) und für das Wallstreet-Online Magazin funktioniert Buy & Hold nur in der Theorie (Quelle). Du siehst, ich bin nicht der einzige Aktionär, der Buy & Hold kritisch sieht.

Aber leider wird diese Strategie von vielen Anlegern viel zu passiv gefahren und oft zu einem „Buy and Forget“. Zudem denken viele Anleger, diese Strategie sei einfach. Das ist sie nicht! Da der Aktienmarkt und die einzelnen Positionen immer im Blick gehalten werden müssen.

Möchtest du auf dem Aktienmarkt investieren und dies unbedingt passiver tun, dann empfehlen sich oft ETFs.

Hier setzt du auf große Indizes, die ganze Länder/Kontinente abbilden. Hier musst du keine einzelnen Unternehmen beobachten, sondern bist über den Verlauf der Indizes bereits informiert. Aber auch hier solltest du informiert bleiben. Ein großer Index macht weniger Arbeit, als ein einzelnes Unternehmen zu verfolgen und zu analysieren, trotzdem solltest du auch hier nicht auf „Buy and Forget“ setzen.

Wer mit einem ETF in die Hold & Buy Strategie starten möchte, der sollte sich folgende Indizes anschauen:

  • ACWI (quasi World-Index plus Schwellenländer)
  • World
  • USA / Nordamerika
  • Europa
  • Schwellenländer

Sollte deine Strategie auf „Buy and Hold“ setzen, bleibe AKTIV am Ball und bewerte deine Positionen regelmäßig. Solltest du lieber eine passivere Strategie bevorzugen, überlege dir auf ETFs zu setzen. Auch für die Dividendenstrategie gibt es sehr interessante Dividenden-ETFs.

Der Artikel hat dir gefallen – Weitere Einblicke in meine Börsen-Erfahrungen findest du hier!

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  • Meines Erachtens kann „Buy and Forget“ auch mit Einzelaktien funktionieren. Vorausgesetzt, man wählt die wenigen dafür geeigneten Aktien sehr sorgfältig aus und streut relativ breit (40 bis 50 Aktien, anfänglich gleichgewichtet, sind meines Erachtens ausreichend).
    Wenn dann ein paar wenige Unternehmen im Laufe der Dekaden tatsächlich die Grätsche machen, wird dies das Depot nicht ruinieren. Trotzdem ist es natürlich keine passive Anlagestrategie, da gebe ich Dir recht. Vor der Kaufentscheidung muss man sogar sehr aktiv werden. Danach liegt die Herausforderung eher im aktiven Nichtstun (auch fürs Nichtstun muss man sich entscheiden, denn der Drang, zu handeln, ist groß!). Wenn man extremes Buy and Hold betreibt, also tatsächlich niemals Aktien verkauft, würde ich das schon als einen passiven Investmentstil bezeichnen. Ganz im Gegensatz zum jahrzehntelangen Besparen von Aktien-ETFs, denn hier wird bei Indexveränderungen immer wieder umgeschichtet, also aktiv gehandelt. Dann ist zwar der ETF-Anleger passiv, nicht aber seine Anlagestrategie…

    Colibri

    • Hi Colibri,
      ob eine Buy and Forget Strategie zum Erfolg führt, würde ich bezweifeln. Selbst wenn du jetzt 50 stabile und gute Unternehmen selektierst und kaufst. Wer garantiert dir, das diese in 5,10 oder 15 Jahren immer noch erfolgreich sein werden? Gut, vielleicht hast du ein gutes Händchen bei der Auswahl. Aber was ist mit Aktien wie Deutsche Bank, RWE, Eon, Nokia, … auch stabile Firmen, selbst Marktführer kann es treffen.

      Von daher empfehle ich niemandem ein Buy and Forget zu fahren.

  • Tim Schäfer (einer meiner Lieblingsfinanzblogs) berichtet/e regelmäßig über Leute, die ihre Investments vergessen haben, und dass es das Beste war, was ihnen passieren konnte 😀 Es sei wichtig, dass man die Unternehmen sorgfältig aussucht, lange beobachtet, etc. bevor man einsteigt. Von Trendthemen solle man sich lieber fernhalten , solche Unternehmen müss(t)en sich erst mal 30,40,50 Jahre behaupten können. Garantieren kann natürlich niemand jemals irgendwas – wie kommst du darauf?
    (Bei sehr langem Zeithorizont sinkt nur die Wahrscheinlichkeit signifikant, Verluste einzufahren. D.h. ob man die Aktie, die man im Depot hat, 10 Jahre lang regelmäßig beobachtet oder vergisst, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, sie diese Zeit nicht anzurühren. Ich glaube, mit ständigem, hitzigen Beobachten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man aktiv handelt und die Aktie kürzer hält als empfohlen.)

    VG

    • Hallo Alina,
      ich habe durch Facebook Gruppen, Foren oder auch meinen Kontakt mit Lesern, den Eindruck gewonnen, dass viele Aktionäre sich mit der Buy and Hold Strategie zu sicher sind. „Ich muss die Aktie nur lange genug liegen lassen, dann steigt sie wieder“.
      Diese Annahme ist, meiner Meinung nach, falsch. Natürlich kann die Aktien irgendwann wieder steigen. Aber erreiche ich meinen Einstiegskurs wieder? Glaubst du Nokia kommt wieder auf 30 Euro oder Blackberry wieder auf 200? Das waren die Marktführer!
      E.ON, DAS Energieunternehmen. Wer hier Anfang 2008 für 140 Euro eingestiegen ist, sitzt jetzt bei 9 Euro.
      Solche Beispiele zu finden ist super einfach, da es davon mehr als genug gibt.
      Meiner Meinung nach, sind zu viele Aktionäre viel zu selbstsicher. Die Zeit kann viel retten, keine Frage. Aber die Zeit vollbringt keine Wunder.

      Ich will die Buy and Hold Strategie nicht schlecht machen. Im Gegenteil. Ich finde die Strategie gut und richtig! Man darf sie aber nicht zu einer Buy and Forget Strategie umwandeln! Das kann gut gehen, muss aber nicht!

      Schöne Grüße
      Sebastian

      • Also, nach bisherigen Studien und Statistiken ist Buy & Hold anscheinend tatsächlich sehr sicher. Ich meine, die Verlustwahrscheinlichkeit bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren+ liege bei nur 6% (ich habe die Auswertung bei Tim Schäfer gesehen.) Die von dir genannten Firmen waren Trendthemen, also Nokia, Blackberry und jetzt aktuell auch Facebook. Es gibt auch bei soliden Firmen einige schwarze Schafe, aber ich glaube, diese sind klar in der Minderheit. Garantien gibt es nicht, selbstverständlich.

        Wenn du eine Aktie 10 Jahre + nicht anrührst und nichts mit ihr machst, macht es keinen Unterschied, ob du sie in der Zeit vergessen hast (Buy & Forget) oder ob du sie regelmäßig kontrollierst.

        VG

  • Da hast du natürlich Recht, dass Buy and Hold eine aktive Anlagestrategie ist. Buy and Forget kann funktionieren, kann aber auch in die Hose gehen. Darum würde ich auch eine Aktie regelmässig in grösseren Abständen wieder neu bewerten.

    Gruss Fabian

  • Hallo Sebastian,

    interessanter Artikel! Ich persönlich betreibe auch buy and hold. Sowohl mit ETFs als auch mit einigen Dividendentiteln. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass jemand, der sich mit dem Thema „Investieren“ auseinandersetzt und dann investiert, wirklich seine Anlagen vergisst. Aber solche Menschen scheint es wirklich zu geben. Wie du sagst empfiehlt sich da ein ETF.

    Großartige Analysen des Unternehmens beim Kauf von Einzeltiteln durchzuführen halte ich aber nicht für nötig. Ich gehe eher so vor, dass ich zahlreiche „Dividenden-Blogs“ lese und schaue, was diese aktuell kaufen und wenn sich in den Blogs ein Titel öfters überschneidet und mir das Unternehmen selbst etwas sagt und ich es für zukunftsträchtig halte, dann kauf ich einfach. Also fast „blind“.. Die Vorgehensweise habe ich hier beschrieben: https://www.zinskraft.de/2017/02/26/wieso-ich-aktien-fast-blind-kaufe/

    Viele Grüße
    Martin

  • Moin,
    also dieses wirklich „passive“ gibt es meiner Meinung nach eh nicht.
    Buy and hold finde ich grundsätzlich gut. Aber eine Aktie vergessen würde ich nun nicht unbedingt 🙂
    Dann doch eher die vorgeschlagene ETF-Strategie. Da werden die Pleitegeier automatisch ausgetauscht. Das ist wenigstens aus Anlegersicht passiv 😛

    Wenn das Depot an Einzelaktien groß genug ist kann man auch wirklich mal einen Wert verkraften, der den Bach runter geht. Auf Krampf hoffen, dass die Aktie wieder steigt ist in manchen Fällen sicher auch von wenig Erfolg gekrönt. Wenn eine Aktie sich aber wirklich schon lange am Markt behauptet hat und über all die Jahre relativ stabil war ist doch Chance schon recht hoch, dass die nicht auf einmal völlig einbricht und nicht wieder kommt. Nokia und Blackberry waren ja nun nicht unbedingt über Dekaden Weltklasse. EON schon etwas länger. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Bei mir macht es wie immer der Mix. Einzelaktien aber auch ETFs. Vergessen werde ich aber hoffentlich keine Position.

    Gruß
    Vincent

    • Hi Vincent,

      ja, Nokia und Blackberry waren nicht über Dekaden Weltklasse, das stimmt. Es sollte auch nur als Beispiel dienen.
      Natürlich glaube auch ich nicht, dass Johnson & Johnson, Coca Cola, Nestle oder Roche in 10 Jahren in die Binsen gehen.
      Und ja, je mehr solide Aktientitel ich im Depot habe, umso entspannter und passiver kann ich sein.
      Nichtsdestotrotz (geiles Wort 🙂 ) halte ich die Strategie nicht für Passiv.
      Und schöne Zusammenfassung: „Der Mix macht’s!“

      Schöne Grüße
      Sebastian

  • Hi Sebastian,

    also ich habe in den letzten 9 Jahren die Erfahrung gemacht, dass ständiges Beobachten vieler Einzelwerte zu Handlungen verleitet, die der Performance schaden. Die entgangenen Gewinne verkaufter Positionen, die munter weiter gestiegen sind, waren regelmäßig größer als die vermiedenden Verluste verkaufter Positionen, die tatsächlich weiter gefallen sind und sich nicht wieder erholt haben (bei denen sich die Verkaufsentscheidung also als richtig erwiesen hat).
    Bei den „richtigen“ Verkäufen handelte es sich meistens um Unternehmen, die ich mir vor dem Kauf nur zu oberflächlich angesehen und/oder deren Risiken ich unterschätzt habe. Auf die Frage: „Würdest Du Dich an diesem Unternehmen beteiligen, wenn Du wüsstest, dass Du die Aktien zwei Dekaden lang nicht mehr verkaufen kannst?“ wäre die Antwort mit Sicherheit „Nein!“ gewesen.

    Am besten haben sich stets die Depots entwickelt, die ich jahrelang nicht angerührt habe. Und das, obwohl sogar einige wenige Totalverluste zu verkraften waren. Sogar Erich Sixt hat mal in einem Interview auf die Frage, welches seiner Investments (abgesehen von seinem eigenen Unternehmen) sich am besten entwickelt habe, geantwortet: ein Aktiendepot mit europäischen Standardwerten aus den 1990er Jahren, das er 20 Jahre lang vergessen habe.

    Deshalb stimme ich Alina zu, dass es im Wesentlichen darauf ankommt, die Papiere über Dekaden nicht anzufassen. Dann kann die Buy-and-Forget-Strategie unter Umständen sehr gut funktionieren.

    Voraussetzung dafür, dass das klappen kann, ist meines Erachtens jedoch Folgendes:

    – breite Streuung (mindestens 40 – 50 möglichst global aufgestellte Unternehmen mit funktionierenden Geschäftsmodellen)
    – Konzentration auf nicht überteuerte Qualitätsunternehmen
    – mit ausreichender Historie (mindestens 10 Jahre),
    – mit starken Wettbewerbsvorteilen,
    – solider Bilanz
    – positiven Wachstumsaussichten
    – gutem Management

    Der Löwenanteil aller börsennotierten Unternehmen ist für die Buy-and-Forget-Strategie schlicht nicht geeignet. Es kommt sehr auf die Wertpapierselektion an.

    Natürlich wäre es vermessen zu behaupten, man könnte um Aktien wie Nokia, E.ON, Blackberry, Deutsche Bank etc. immer einen sicheren Bogen machen. Niemand kennt die Zukunft.
    Dennoch fällt auf, dass die Geschäftsmodelle dieser Verlierer-Unternehmen der letzten Jahre zu keiner Zeit einen besonders starken Burggraben hatten. Für ein Buy-And-Forget-Depot waren (und sind) sie deshalb wenig geeignet.

    Ich gebe Dir aber uneingeschränkt recht, das Risiko der Buy-and-Forget Strategie liegt in der (auch meiner) Neigung zur Selbstüberschätzung. Und das nicht nur hinsichtlich der eigenen Stockpicking-Fähigkeiten, sondern vor allem in Bezug auf die Kunst, auch schlimmste Börseneinbrüche auszuhalten, ohne in Panik zu geraten und dann doch zu Tiefstkursen zu verkaufen. Ich hoffe, ich werde stark genug sein, dies nicht zu tun.

    VG

    Colibri

  • Moin Sebastian,

    ich sehe Buy & Hold eher als Intention. Ähnlich wie bei einer Ehe. Wenn man heiratet denkt man nicht an die Scheidung, sie kann allerdings trotzdem eintreten. Nämlich dann, wenn es nicht mehr passt.

    Ich würde mich persönlich als passiver Buy&Hold Anleger bezeichnen, da ich mit dem Weltindex in die Finanzehe getreten bin, mit der Intention mich nicht mehr zu trennen.

    Bisher waren es glückliche Jahre, mit den üblichen Hochs und Tiefs. 😉

    Gruß
    Andree

  • Bei dem Handelsblatt Artikel sollte man bedenken, dass die Aussage von einem Fondsmanager stammt (Interessenkonflikt).
    Außerdem kann ich die pauschale Aussage keineswegs unterschreiben, dass „Buy and Hold nicht mehr funktioniert“. Eine Buy&Hold Strategie in einen kostengünstigen S&P500 hätte in den letzten 200 Jahren eine Rendite von um die 6-8 % nach Inflation eingebracht. (Wobei man fairerweise sagen muss, dass ETF Investments leider noch nicht so lange möglich sind und erst seit noch kürzerer Zeit der breiten Masse einfach zugänglich sind). Ein Investment in den MSCI World hätte in den letzten Jahrzehnten eine ähnlich gute Rendite erwirtschaftet.

    • Moin Jan,

      für einen Finanzblogger und jemandem, der sich regelmäßig und intensiv mit dem Investment auseinandersetzt ist die Buy and Hold Strategie sicherlich eine gute Strategie.
      Aber mich erreichen teilweise Mails von Anlegern, wo ich nach Aktien gefragt werden, die ich noch nie vorher gehört habe. Buy and Hold funktioniert nicht mit jeder kleinen Nischenaktie. Nicht jedes Unternehmen aus dem Handel ist gleich eine Procter & Gamble 😉

      Schöne Grüße
      Sebastian

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